Wochen später ist hier meine Einschätzung zum Ben Affleck / Netflix-Deal. Für die jüngeren Semester unter uns: Er hat ihnen eine KI-Lösung für 600 Mio. USD verkauft, nachdem er vorher ein ganzes Jahr lang keine Mikrophon verschmäht hat, vor dem er AI schlechtreden konnte; AI werde nie Schauspieler ersetzen, wäre immer nur Mittelmaß etc. pp.
Betrachten wir mal diesen Deal durch die Linse des ewigen Machtkampfes zwischen Regisseuren und Auftraggebern/Produktionsfirmen darüber, wer denn den FINAL CUT bekommt und fragen uns: „Wie beeinflusst AI das Gleichgewicht in diesem strukturellen Konflikt?“
Ich würde sagen, Netflix hat sich ein Toolset angeeignet, das ihnen mehr Kontrolle über das Endergebnis verleiht – ganz gleich, was der Regisseur abliefert und ohne die Notwendigkeit von Nachdrehs. Und das ist kein bloßes „Fixing it in Post“.
GenAI leistet weit mehr als das: In den letzten 100 Jahren bestand die einzige Möglichkeit für einen Produzenten/Auftraggeber, der mit dem gelieferten Material des Regisseurs unzufrieden war, darin, neu zu drehen. Meistens war das unerschwinglich teuer. Man erinnere sich an Coppola, der die Dreharbeiten zu APOCALYPSE NOW mit Harvey Keitel in der Hauptrolle begann, ihn dann nach Hause schickte und alles mit Martin Sheen neu drehte. Dieser Film kostete letztendlich 30 Millionen statt 12 Millionen…
Nun kommt GenAI ins Spiel, die Hintergründe austauschen, Einstellungen erweitern, die Lippensynchronität ändern, Schauspieler per MoCap erfassen und am Ende ganze Szenen basierend auf dem bereits gedrehten Material erfinden kann. Also keine Nachdrehs mehr!
Mal sehen, wofür sie es wirklich einsetzen… Meine Vermutung lautet, ich übe schonmal für die Überschrift des entsprechenden Blog-Beitrags: „1.000 neue Wege, um im Nachinein an der Vision eines Regisseurs herumzupfuschen.“