Am Anfang War Das Script – 1von2

Das ganze Leben ist ein Pitch, und der geht üblicherweise so los: Die Agentur schickt dir ein Script, idealerweise mit einem soliden Briefing, den PBS („Production Brief Specifications“). Und jetzt bist du dran.

Was willst du eigentlich wissen von so einem Script – ob es gut ist? Nein. Ob du die „Emotional Journey“ der Heldin glaubhaft findest? Auch nicht. Ob es einen guten Film ergeben wird? Nope. 

Du willst wissen, wie du die Umsetzung dieses Scripts so anbieten kannst, daß Kunde & Agentur den Auftrag am Ende dir rüberschieben, und nicht deinen zahlreichen Mitbewerbern. Dafür musst du das Script in eine einzige Zahl, deinen PREIS verwandeln. Laß dich dabei von dem ganzen Branchenklimbim (20 Seiten Agenturbriefing, 26 Seiten SCOPE Anschreiben, 14 Seiten GWA Kalkulation etc.) nicht einschüchtern, dein Angebot kannst du in einem Satz formulieren, und dieser Satz geht immer so: „Wir bieten Euch die Umsetzung Eures Scripts nach der Interpretation unserer Regisseurin an zum Preis X“. Alles andere ist Kleingedrucktes. Klingt doch ganz einfach eigentlich – aber das so belastbar zu gestalten, daß das Geld dann auch für alles reicht, und zugleich so günstig, daß dein Preis dich nicht gleich aus dem Rennen wirft: Therein lies the rub! Also, was tun?

Du machst einen Breakdown. In Google Sheets, wenn du ihn mit Dritten teilen oder gemeinsam erarbeiten möchtest. Oder in TextEdit. Oder in Excel. Eigentlich ganz egal: So richtig old school mit Locations, Darstellern, ob das Auto fährt oder nicht, Tag / Nacht, Exterior / Interior, art department, VFX etc pp. Filmhandwerk halt (Well, DAS können wir hier nicht in einem Post abhandeln, leider.).

Wenn das Script es hergibt und du es dir zutraust, dann vergiss den Breakdown und schätze es Pi Mal Daumen: du hast als Budget 200k gebrieft bekommen, der Film ist 15 Sekunden inklusive Packshot & Logoending lang, und eine Darstellerin beißt an einer Location in ein Weingummi? Dann kannst du auch getrost auf deinen Instinkt vertrauen der sagt: das ist ein Drehtag! Denn darum geht es: wie viele Drehtag brauche ich dafür? Von dieser Antwort aus geht alles weiter. 

Irgendwo in der Mitte zwischen Schätzen und 5-seitigem Detailbreakdown liegt die gute alte Stift & Papier Methode: wenn das Script einen 30sekünder ergeben soll, vier Vignetten mit je einer Darstellerin an vier unterschiedlichen Orten und dazu noch ein paar Fahrszenen, ja dann kannst du das auch auf einen Zettel skribbeln. Wie?

Ich würde mich immer anhand der notwendigen Settings da durchwurschteln um das Skript zu etwas Kalkulierbarem einzudampfen: 

„Ein Surfer am Strand. Er hat mit Sicherheit einen Vollbart. Mit Entschlossenheit blickt er auf die Wellen, das Board in seinen durchtrainierten Armen.“ ist eingedampft: EXT/TAG/STRAND 

Eine Designerin, die tief in der Nacht in ihrem Office an Plänen arbeitet = INT/NACHT/OFFICE

Ein geheimnisvoller Fremder, der mitten auf einer endlosen Landstraße in die Kamera spricht, bevor er in ein Auto steigt und Richtung Horizont fährt = EXT/TAG/LANDSTRASSE

Eine Fotografin beobachtet und fotografiert Wildpferde auf einer Düne =  EXT/TAG/DÜNE

Ihr versteht meinen Punkt… EINDAMPFEN!

Und aus diesen Destillaten lassen sich dann Drehtage puzzeln: der Strand & die Düne & die Landstrasse könnten in einen Tag passen; der INT/OFFICE scene passt sicher besser zu anderen Szenen die auch INT und in der Stadt sind. Wie viele Stunden Drehzeit setze ich an pro setting/location? Wie viel Zeit für einen location move? Ein grober Plan lässt sich so innerhalb einer Stunde aufstellen, mit dem man dann entweder selbst beginnt, zu kalkulieren, oder eine Serviceproduktion im Ausland brieft. Achtung: Ein 90sekündiger Autofilm mit 8 Vignetten, 10 Fahrszenen und diversen weiteren zu drehenden Assets braucht vielleicht doch einen halben Tag für einen belastbaren Breakdown. 

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