Rüstungskontrollabkommen

Der Aufwand für Regie-Interpretationen dreht in letzter Zeit komplett frei – wir brauchen ein Rüstungskontrollabkommen, um das Problem zu lösen. Wait, what?

Die „Director’s Interpretation“ (vulgo „Das Treatment“; oder Old School: „Die Regieauffassung“) soll dem Kunden und der Agentur einen Eindruck davon vermitteln, wie deine Regisseurin ein Agenturscript umsetzen würde. Sie ist das zentrale Element in der Pitch-Phase, in der die Produktionsfirmen versuchen, einen Auftrag zu bekommen.

Noch 2008 habe ich gesehen, wie ein TV-Spot mit einem Millionen-Euro-Budget auf der Grundlage einer DI in Auftrag gegeben wurde, die aus vier Seiten reinem Text und zwei Seiten Moodbildern bestand. „OK, Boomer…“ kann ich euch alle murmeln hören. „Those were the days… Aber können sich Kunde und Agentur heutzutage nicht ein viel besseres Bild davon machen, was sie erwartet? Ist es nicht toll, wenn sich die Regisseure mit Volldampf auf ein Projekt stürzen und wirklich zeigen, wie sehr es ihnen gefällt und welche tollen Welten ihnen einfallen?“

Ja, vielleicht. Noch besser wäre es eigentlich, wenn wir den Film schonmal so layoutmässig vordrehen würden stattdessen, aber das alles hat halt seinen Preis. Das Pitchen hat sich in ein potenziell ruinöses Wettrüsten verwandelt, mit Armeen von Regiescouts, Inhouse Creative Researchers, Mood Scouts, Ghostwritern, Layoutern, Übersetzern usw., die bei jedem Pitch mehr Text, mehr Moods, bessere Layouts, mehr Überarbeitungsrunden produzieren, nur um einen kleinen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu erlangen.

Wieso Rüstungskontrolle? Das Vokabular des Kalten Krieges ist hier sehr angemessen. Die geschilderte Situation ist die Lehrbuch-Definition von „Overkill“: das Potenzial, den Gegner x-fach zu vernichten, auch wenn er schon ein paar Mal gestorben ist – so wie eine 40-seitige DI für einen 20-Sekunden-TVC alle Teilnehmer mehrmals zu Tode langweilen wird, weil nach 10 Seiten alles gesagt sein könnte. „Cast is key (auf drei Seiten ausgewalzt)“. „Kamera ist aber auch unglaublich wichtig“ (auf drei weiteren Seiten ausgewalzt)…

Ein solches Wettrüsten kann ganze Volkswirtschaften zerstören, und keine der beteiligten Parteien hat die Möglichkeit, einseitig auszusteigen: Wer nicht mitmacht, hat schon verloren.

Die Hauptlast dieses Wettrüstens tragen die Produktionsfirmen, und vermutlich trifft es die kleineren unter ihnen unverhältnismäßig stark. Wer kann es sich schon leisten, diverse Tausend Euro pro Pitch aus seinen lausigen Projekt-Markups zu bezahlen? Multipliziert mit 5 wohlgemerkt, da man ja nur jeden fünften Pitch gewinnt? Agenturen und Kunden zahlen ja nicht für den Pitch, also muss er aus MarkUps bezahlt werden, die du in Zukunft vielleicht übrig behalten könntest. „Jaja, Die Klage ist des Kaufmann’s Gruß!“ höre ich euch ungläubig murren, aber diese grundsolide Studie hier belegt, dass Produktionsfirmen in Deutschland im Jahr 2014 insgesamt rund  450.000€ für einen Pitch ausgegeben haben, bis zu 10.000 € für einige Pitches und 3.500 € für einen durchschnittlichen Pitch. Heißt auf Deutsch: aus jedem Projekt kannst du gleich mal rd. 15.000 EUR für die fünf Pitches zur Seite legen, die es gebraucht hat, um das Projekt zu gewinnen. Alles Pi Mal Daumen, aber ihr versteht die generelle Richtung.

Und diese Zahlen berücksichtigen noch nicht einmal die Arbeitskraft, die auf der Produktionsseite für die Organisation, das Lesen, Übersetzen, Feedback geben, die Rechnungsstellung usw. verbrannt wird. Oder die Arbeitskraft, die auf Agenturseite vergeudet wird, z.B. für das Schreiben einer DI-Zusammenfassung für den Kunden, denn „Du glaubst doch nicht, dass der Marketingchef fünfmal 40 Seiten DI durchliest, Stephan!“ Verdammt richtig, das glaube ich wirklich nicht. Aber warum schreiben wir sie dann, oder lassen jemanden diese 40 Seiten schreiben, illustrieren und layouten? Wie oft hat mir schon ein Agenturproducer versichert, dass der Kunde nach der Präsentation in Auszügen wirklich die komplette DI erhalten habe und sie am nächsten Wochenende auch ganz sicher komplett lesen werde (as if…).

Ich denke wir haben hier eine kritische Dimension erreicht, die massive negative Auswirkungen auf alle Beteiligten in unserem kleinen Ökosystem aus Produktionsfirmen, Agenturen und Kunden hat. Es wird unnötig Energie vernichtet, ohne dass für irgendjemanden ein greifbarer Mehrwert entsteht. Vielleicht sollten wir auf Produktionsseite uns, anstatt uns einen Wettbewerb mit den Agenturen zu liefern darum, wer die geileren Präsentationen basteln kann, uns wieder mehr mit unseren eigentlichen Aufgaben & Kompetenzen beschäftigen – aber wie gesagt: einseitig aussteigen ist da verdammt schwierig.

Man könnte auch sagen, es ist Zeit für ein Rüstungskontrollabkommen, das von Agenturen und Kunden ausgerufen und durchgesetzt und von uns Produktionen befolgt werden muss:

1) Das Briefing der Agentur begrenzt die Regie-Interpretation auf, sagen wir, zehn Seiten.

2) Längere DIs werden vom Pitch ausgeschlossen.

3) Dies ist ab sofort Industriestandard. 

Ganz einfach, oder?

P.S.: Die Idee, eine „Treatment Fee“ zu verlangen, ob von Regisseuren oder Produktionen, halte ich, ohne in die Details gehen zu wollen, für kontraproduktiv. Die wird im Zweifelsfall nur die Anspruchshaltung auf Seiten von Kunden und Agenturen verstärken: „Haben wir doch für bezahlt, jetzt wollen wir aber auch noch ’ne Runde sehen.“ Man muß stattdessen kollektiv sich darüber einigen, den Aufwand zu begrenzen, und nicht weitere Incentives schaffen dafür, ihn noch zu erhöhen. Privatmeinung, wie immer.

You’ll be sayin‘ no, no, no, no, no/ When it’s really yeah, yeah, yeah, yeah, yeah

Warum fällt es uns so schwer, mal NEIN zu einem Pitch zu sagen? Vieles spricht ja auf den ersten Blick dafür, öfter mal NEIN zu sagen.

„Attacke!“ Ja, aber du kannst nicht immer überall Vollgas geben. Du musst sorgfältig wählen wo du dich reinwirfst, sonst ist deine Fire Power zu schnell erschöpft. Dazu gehört, dass du auch mal aussteigst und NEIN, DANKE sagst.

„Wir haben jetzt 22 Pitches für diesen Kunden verloren, das muss doch mal wieder klappern, ich bleibe da dran“. Selten so eine klare Manifestation der Sunk Cost Fallacy gesehen: Nein, das muß nicht wieder werden! Das wird sogar relativ sicher nix mehr. Don’t throw bad money after good. Vergiss den Kunden und überlasse ihn den Mitbewerbern. Vielleicht warst du die letzten 22 Male nur noch dabei, weil sie ja auch immer einen brauchten, der am teuersten war?

„Es gibt noch kein Budget“. Dann kann aber auch keiner erwarten, dass du 5.000 Euro in die Hand nimmst für eine Pitchteilnahme, nur um später zu erfahren, daß das Budget nur die Hälfte beträgt von dem was es sein sollte. Wer einen Pitch ausruft, der hat zumindest selber eine Budget-Idee, über die er mit dem Kunden gesprochen hat, bevor der Pitch losgeht. Alles andere ist schlicht unseriös, vorsichtiger gesagt: nicht branchenüblich.

Hilf gerne mit Grobkosten bei der Preisfindung (die jede gut aufgestellte Agentur eigentlich auch alleine hinbekommt), aber geh nicht all in. Du wirst nur unter anderem deinen Regisseur verbrennen und dein Geld verschwenden, sag lieber NEIN.

Sagt sich alles so leicht, ist aber in der Praxis immer schwierig bis unmöglich. Warum nochmal? Hier kommen die ersten 10 von 1.000 guten bis mittelguten Gründe, warum es viel einfacher ist, JA zu sagen:

1 Du willst dir deine Connection nicht verbrennen. Wir haben unsere Schatzies auf Agenturseite ja so versaut mit dem ewigen Dienstgeleistere, daß sie mit Zurückweisung oft schlechter umgehen können als mein Jüngster: Tantrum, stundenlang unkooperatives Verhalten, Sachen kaputtmachen, oder im Agenturfall eben wochenlang keine neue Anfrage schicken. Also sagst du JA.

2 Niemand mag schwierige Business Partner, alle lieben flauschige, geschmeidige, hilfsbereite Producerbunnies, also sagst du JA.

3 Bidding ist wie Börse: aktive Investoren halten sich für schlauer als der Gesamtmarkt. Sie setzen auf Einzelwerte, weil sie glauben dass sie damit besser performen als der Gesamtmarkt. Passive Investoren setzen auf den MSCI World, der den gesamten Markt abbildet und erwirtschaften so 6-8% Rendite pro Jahr. Wahre Magie sieht anders aus, aber dafür ist die Entscheidungsfindung viel einfacher: setz einfach auf alles, dann kannst du mit einem gewissen vorhersehbaren return rechnen. Alles andere ist Zocken (sagen die passiven Investoren). Du kannst also aktiv & picky sein („Tut mir leid, aber die drei Regisseure, die dafür in Frage kämen, sind in dem Zeitraum leider alle schon gebucht“ vulgo: „Ferrero? Over my dead body.“); du kannst aber auch einen eher passiven Ansatz verfolgen und sagen: wir bidden auf alles, die Chance dass was klappt ist immer 1:5, aber es ist viel zu aufreibend und energiefresserisch, cherry picking zu betreiben, also sagst du JA.

4 Ohne Pitch-Teilnahme keine Chance: wenn du nein sagst bist du schon raus; wenn du mitmachst, hast du eine Chance, wie klitzeklein sie auch sein mag. Egal welche Chance: auf einen tollen Film. Auf einen satten Gewinn. Auf einen neuen Kunden. So viele Chancen!! Wer sagt da NEIN? Also sagst du JA.

5 Das Pitchen ist in deinem Setup eh eine well oiled machine, um mal Ex-Präsident T. zu zitieren, es ist nahezu einfacher mitzumachen als NICHT mitzumachen. Also sagst du JA.

6 Deine Agentur erpreßt Dich: Wenn du bei diesem Gruselpitch nicht mitmachst, dann darfst du auch bei der nächsten 2-Mio-Euro-Autokampagne nicht mitbidden.

7 Oder sie beutet rücksichtslos deine Ressourcen aus: Der Agenturproducer ist zu faul oder zu unterbesetzt um selber Grobkosten zu machen, darum kumpelt er dich an und fragt ob du vielleicht zum hundertsten Mal mit Zahlen aushelfen kannst in der Hoffnung, daß daraus ein echter Pitch wird und du dann einen Gefallen eincashen kannst. Vielleicht. Also sagst du JA.

8 Deine Boss ist nervös, weil die Umsätze nicht so geil sind wie letztes Jahr, und weil die letzten zehn Pitches abgeraucht sind. Ja, The Pitch is a Bitch, und es braucht wie die Börse einen langen Atem, um die durchschnittlich erwartbaren Resultate zu erzeugen. Also sagst du JA.

9 Du bist neu hier. Du mußt dich da reinbeißen, du mußt jede noch so kleine Gelegenheit nutzen, um mit den Big Guns mitzuhalten, damit du eines Tages nicht von den Brosamen leben mußt, die von den Tischen der Großen runterfallen. Also sagst du JA.

10 Du bist einer von den Big Guns. Du kannst es dir nicht leisten, den jungen Wilden auch nur den kleinsten Vorteil einzuräumen – wehret den Anfängen, wenn die einmal am Rennen sind, dann stoßen sie dich aus der Pole Position, also sagst du JA.

You see? Gar nicht so einfach. So, jetzt gerne ihr: Weitere Gründe NEIN zu sagen bitte in die Kommentarspalte. Oder doch JA?

Mein Musikvideo-Menetekel

Full disclosure: ich habe die 90er erlebt. Beweise? Ich dachte schon Ihr würdet nie fragen. Aber Achtung, es ist 90er Jahre Fachwissen zum Dechiffrieren erforderlich! Saß ich einmal mit Herbert Grönemeyer beim Abendessen und erzählte davon, wie ich im Pott geboren wäre und mein alter Herr Bergmann gelernt hätte. Herbert darauf im Ton eines Menschen, der Überraschendes verkündet: „Also ich komme ja aus Bochum“. Große Stille am Tisch – wer sagt jetzt als erster „Echt?“ Na, zündets? Dauert ein bißchen, ich weiß. Okay, Anekdote zu Ende.

Ich habe jedenfalls nicht nur Herbert Grönemeyer, sondern auch ein mittelmäßig komplexes Business Modell erlebt, das Anfang der 2000er komplett untergegangen ist: Die Organisation der Musikvideo-Herstellung nach dem Vorbild der Werbefilmindustrie. Als unsere Kunden – die großen Labels, die diese zarte Industrie zu 100% finanziert hatten – so um 2000 herum mit einem Mal & gleichzeitig herausgefunden haben, dass sie die Investitionen in Musikvideos (erst recht vor dem Hintergrund der temporären Umsatzrückgänge in Zeiten von Napster & Co) nicht mehr einspielen konnten, haben sie ihre Ausgaben dafür radikal runtergefahren & damit die Musikvideo-Produktionslandschaft als Sandkastenkopie der Werbefilmlandschaft quasi ausradiert. Details für Zu-Spät-Kommer finden sich im immer noch zu weiten Teilen meiner Feder entstammenden WIKIPEDIA-Eintrag zum Thema „Musikvideo“.

Ich habe tatsächlich mehr Beweise dafür als zweifelhafte Anekdoten mit lokalen Popstars. Jaja, liebe Gen Z, Herbert Grönemeyer war mal ein lokaler Popstar, und wenn ihr nicht aufhört ungläubig zu gucken, dann zwinge ich Euch, die unter dem * angefügte Anekdote auch noch zu lesen und Euch dazu 1 Stunde lang MAMBO NO. 5 anzuhören. Ich kann jedenfalls aus eigener Anschauung von einer Firma berichten, die mit rund 20 festen Mitarbeitern – okay, Praktikantinnenquote 50% – rund 50 Musikvideos im Jahr produziert hat, keine 30-Sekünder, meine Lieben: im Schnitt 3,5-Minüter, und die damit einen Jahresumsatz hingelegt hat, der sie im Werbefilmranking unter die Top 20 gebracht hätte.

Heute dagegen haben Musikvideos mit wenigen Ausnahmen 4-stellige Budgets, aber immer noch 3 Minuten Laufzeit. Die technischen & handwerklichen & damit auch die kaufmännischen Komplexitäten sind ebenfalls derart geschrumpft, dass sie sich zumeist in einem One Man Show Setup bewältigen lassen. Regie, Kamera, Edit & Produktion werden oft genug in Personalunion gestemmt. Für „Capital Bra rappt in der leeren Tiefgarage“ braucht es keine Produktionsfirma. Bottom line: massive Reduktion, ja, geradezu Zusammenbruch („Collapse to Simplicity“, Clay Shirky) des zuvor wenn auch nur für kurze Zeit bestehenden Business Modells Musikvideoproduktionsfirma.

Der entscheidende Punkt dabei: Es gibt noch Videos. Viele Videos. Viele miese, aber auch weiterhin viele gute Videos (was nicht vertuschen soll, dass es auch davor viiiiele miese Videos gegeben hat, ich habe selbst diverse davon produziert). Oder, aus Perspektive der Auftraggeber: „Siehste, geht doch!“

Woraus sich natürlich die Frage ergibt: Ist das Zerbröseln des Business Modells „Musikvideo-Produktion“ aus den 90ern ein Menetekel für die Werbefilmbranche? Anders gefragt, werden Kunden wie VW, NIVEA oder HEINEKEN in 15 Jahren auch sagenwirmal 50% ihrer Marketingausgaben für Bewegtbild einsparen, die Geschäfte laufen trotzdem prächtig, und alle CMOs klatschen sich ab und sagen heimlich oder laut und deutlich triumphierend: „Siehste, geht doch?“

Ein Faktor, der beim Zusammenbruch der Musikvideolandschaft entscheidend war, gilt in der Werbung thank goodness nicht: die Musikvideolandschaft wurde und wird von gerade mal 4 Playern (den großen Labels) bestimmt, die relativ gleichzeitig und konzertiert ihr Verhalten umstellen können, und die das Anfang 2000 einfach gemacht haben – ob konzertiert oder zufällig gleichzeitig ist für das Ergebnis unerheblich. Das ist beim ungleich größeren Werbefilmmarkt nicht so. Die Konkurrenz unter den Kunden ist größer, und die Tendenz aus allen Rohren zu feuern ebenfalls. Das heißt: Die Gefahr besteht weniger darin, daß unsere Kunden kollektiv den Geldhahn für Bewegtbild zudrehen.

Was aber können die Kunden und wir aus diesem Musikvideosterben – Schockmoment lernen? Schauen wir zur Abwechslung bei Clay Shirky rein:

Als Shirky einen Vortrag hielt vor einer Gruppe von TV-Executives über den Wandel, den das Internet für ihr klassisches Geschäftsmodell bedeuten würde, kristallisierte sich eine Frage heraus: „Wann würde Online-Video genug Geld einbringen, um ihre laufenden Kosten zu decken?“

Was hat Shirky den TV-Leuten gesagt? (Übersetzungen/Kürzungen von mir):

In Zukunft werden einige Arten von Bewegtbild für’s Web genauso komplex produziert werden, wie es heute bei eurem Business der Fall ist, und einige Leute werden zweifellos truckloads of money damit verdienen.

Es mag verlockend sein, sich vorzustellen, daß, wenn die Dinge früher komplex waren und auch in Zukunft komplex sein werden, daß dann in der Zwischenzeit alles einfach komplex bleiben kann. SO FUNKTIONERT DAS ABER LEIDER NICHT.

Warum? Die meistgesehene Videominute der Jahre 2005 – 2010 zeigt, wie Baby Charlie seinem Bruder in den Finger beißt. Zweimal! Diese Minute wurde von mehr Menschen gesehen als die Zuschauerzahlen von American Idol, Dancing With The Stars und dem Superbowl zusammen.

Einige Videos müssen heute immer noch komplex sein, um Wert zu haben, aber die Logik des alten Medien-Ökosystems, in dem Bewegtbild komplex sein musste, nur um überhaupt Bewegtbild zu sein, ist schlicht zerbrochen. Eine Welt, in der „Charlie bit my finger“ passieren kann, ist eine Welt, in der Komplexität weder eine notwendige Bedingung noch ein automatischer Vorteil ist.

Unsere Werbefilmfuzzi-Frage an die Zukunft ließe sich analog zu der von Shirkys TV-Leuten vielleicht so formulieren: „Oha, Kunden wollen immer weniger klassischen TVC Content haben. Werden wir es schaffen, sie davon zu überzeugen, dass der neue Yotube Insta TikTok Content zu denselben hochkomplexen und damit teuren Konditionen hergestellt werden muss wie ein TVC?“

Die Gefahr liegt auch da in der Fragestellung, weil sie nahelegt, daß wir nichts anderes können, als unser gelerntes Geschäftsgebaren auf neue Businesses zu übertragen. Wenn das wirklich alles ist, haben/bekommen wir ein Problem.

Was nämlich, um die Kurve zum Intro zu kriegen, die Musik-Labels gelernt haben schon Anfang dieses Jahrhunderts: Ihre Kommunikationsziele im Bereich Bewegtbild lassen sich mit geschätzt maximal dem halben (andere sagen: einem viertel…) Budget realisieren dessen, was da in den fetten 90er Jahren rausgeblasen worden ist. Das könnten die Kunden in unserem Bereich auch irgendwann herausfinden trotz aller Bemühungen von Agenturen und Produktionsfirmen, sie vom Gegenteil zu überzeugen.

„Brace, brace“, wie man in der Luftfahrt sagt: Stellen wir uns also besser darauf ein, dass immer mehr Kommunikations-Ziele unserer Kunden mit immer kleinerem Aufwand realisiert werden können. Überlegen wir uns, ob & wie wir da mitmachen wollen, oder ob wir uns bei steigendem Meeresspiegel auf eine immer kleinere Insel zurückziehen wollen mit immer härteren Verteilungskämpfen um das weniger werdende, bewohnbare Land. Und behalten wir im Auge wo es Sinn macht, unsere gelernten Produktionsstandards auf neue Content Anforderungen zu übertragen (und umgekehrt), und wo nicht.

*Die Strafanekdote für 90er Nachsitzen-Müsser: Im ständigen, heroischen Abwehrkampf gegen den permanenten Kundenwunsch nach so viel nudity wie irgendwie MTV-möglich sitzen wir in einem Meeting für das Konzept des Lou Bega Musikvideos zu Mambo No. 5, und der Regisseur versucht grade, alle davon zu überzeugen, dass Erotik ja auch was ganz Subtiles sein könne, so in der Art wie jemand einen Espresso trinkt etwa, nur um vom Kunden unterbrochen zu werden mit einer klaren Definition: „Pass mal auf, Erotik heißt bei mir Bikinis aus Zahnseide, ich hoffe das ist angekommen.“

Okay, ich habe nicht versprochen, daß es eine LUSTIGE Anekdote wird, oder?

Location, Location, Location

Man kann mit Recht sagen, daß das Monument Valley nur ein Stapel Steine wäre ohne John Ford’s Pioniertat, seine größten Filme dort zu drehen. Aber auch John Ford mußte auf Director’s Recce und das Tal für sich und für uns entdecken. Als er in den 30ern für „THE SEARCHERS“ mit seinem DP Winton C. Hoch dort war, ließen sie sich von einem ehrfurchtgebietenden Native American namens Hastobiga führen, von dem sie erwarteten, dass er ihnen als Local die spektakulärsten Locations zeigen würde – schließlich lebten die Navajo seit undenklichen Zeiten hier, und das Valley war ihnen heilig und zutiefst vertraut. Hastobiga ging jeweils voran und stellte die Kamera ab – dann ließ er John Ford und Winton C. Hoch das Valley durch den Sucher betrachten. Von Tag zu Tag wuchs die Verwunderung der beiden Filmprofis darüber, mit welch filmischem Auge der Mann die besten Kamerapositionen aussuchte, bis Winton C. Hoch nicht mehr anders konnte als zu fragen: „How do you always know that this is the best place to put my camera?“ Hastobiga antwortete schulterzuckend: „Because that’s where they always put it”.

Ist natürlich lustig; aber der entscheidende Moment ist gar nicht Teil der wahrscheinlich komplett frei erfundenen Story: Was macht John Ford als nächstes? Akzeptiert er, daß das die beste Location für seinen Film ist und dazu noch, daß das der beste Ort ist, die Location zu featuren, WEIL DAS ALLE IMMER SO MACHEN – oder sucht er was Anderes, was Fresheres, was Besseres; vielleicht in Chile, weil da MetroGoldwynMeyer grade gedreht haben soll? Oder spielt John Ford vielleicht in der Geschichte gar nicht erst mit, weil er alle Monument Valley Filme schon gesehen hat und weiß daß die Location schon ganz schön abgefrühstückt ist, der Chapman’s Peak Drive des wilden Westens sozusagen, und sucht von vornherein schon was ganz anderes? Studio? Unreal Engine?

Ich kann Euch nicht sagen, wie John Ford tickt. Ich kann Euch aber verraten an welchen Enden des Möglichkeitsspektrums sich ein Producer und ein Agentur-Kreativer relativ wahrscheinlich regelmäßig aufhalten: Wer sagt öfter: „Autofilm, urban und mit sehenswertem Umland? Da fällt mir Lissabon ein.“ Und wer: „Das soll zwar ein Autofilm mit modernen urbanen Elementen und mit ein paar Fahrszenen im Umland sein (SUV!! Die Szene, in der sich das Auto, über Land fahrend, der Silhouette einer modernen Großstadt nähert!!)), aber in Lissabon hab ich schon jede Brücke viermal gedreht, habt ihr da nicht mal eine ganz andere, freshe Idee?“ Mögliche Antworten bitte unten in die Kommentarzeile!

Ich warte ja die ganze Zeit schon darauf, daß sich endlich mal jemand Kasachstan wünscht. Ich kenn da was total Freshes, bißchen doof grade mit den vermaledeiten Russen in der Nachbarschaft, aber die Zeit wird kommen, wartet’s nur ab! Bin übrigens neulich in Südafrika nur so aus Trotz mal wieder selbst über den Chapman’s Peak Drive gefahren und kann Skeptikern & Nachwuchs, die vom Chapman’s Peak Drive nur wissen, daß der eigentlich immer gesperrt ist, berichten: ist grade geöffnet und sieht ganz geil aus, vor allem wenn man so die Kombi aus Meer und Bergen hat und dann im Hintergrund sich so die Stadt aufbaut… hmmm… vielleicht für einen SUV Film mal vorschlagen demnächst?

funky funky: Sozialabgaben

Eine Kölner Freundin hat es gewagt, einem Berliner Copyshop Mitarbeiter, der sie auf die übliche miese Berliner Muffeltour behandelte, zu sagen: „Hömma, du bist hier im Service, Liebschen!“ Ergebnis: Hausverbot im Copyshop.

Ich bin zu hundert Prozent auf Seiten des Rheinlandes in dieser Sache, zumal die Sozialstandards für Copyshopmitarbeiter in Köln und Berlin grob dieselben sein sollten. Das basic mindset der durchschnittlichen Berliner Service Fachkraft scheint aber immer noch zu sein: „Wenn ich mich schon zwingen lasse, diesen Job zu machen, dann laß ich wenigstens meine schlechte Laune gegenüber allem & jedem raushängen.“ Aber das sind ja nur kulturelle Oberflächenphänomene einer im Grunde genommen sehr durchregulierten und komfortablen Arbeitswelt, ripples auf einem Ozean des Kommoden, zumal in unserer Branche (Ja ich weiß, nicht immer und nicht für alle, lest trotzdem gern mal weiter…). Aber wie sieht das so aus, wenn wir unsere Jobs ins Ausland tragen?

Traditionellerweise kostet Production Service in Portugal rund 10-15% weniger als in Barcelona. Warum?  Neulich sagte ein Producer aus Barcelona, den ich fragte, was denn derselbe Film seiner Meinung nach in Lissabon kosten würde: „Nimm einfach mein Budget und zieh die Sozialabgaben ab*.“

Und tatsächlich, das kommt ganz gut hin. In Spanien sind die Preise hochgegangen vor ein paar Jahren, als die Spanischen Serviceproduktionsfirmen zähneknirschend angefangen haben, wegen neuer gesetzlicher Auflagen auch Sozialabgaben zu bezahlen und an uns weiter zu berechnen. Als dann ihre Kunden – wir – verstärkt nach Portugal abgewandert sind, weil da die Preise noch niedriger waren (read: keine Sozialabgaben gezahlt wurden), haben einige von ihnen Offices in Lissabon aufgemacht, damit sie von dieser Abwanderung profitieren konnten. Ist damit die Service Industrie in Spanien den Bach runtergegangen?

Ratet mal warum keiner von uns jemals freiwillig in Frankreich dreht:

  1. Weil’s da so häßlich ist?
  2. Weil die Franzosen keinen Geschmack haben?
  3. Weil es keine Business Infrastruktur gibt?
  4. Weil das viel zu weit weg ist?

Nö, nö, nö & nö. Die Antwort findet sich –  wie übrigens alle wichtigen Antworten – in Excel. Schaut mal auf diese Formel, die ich jüngst noch in einem Kostenvoranschlag aus Frankreich gefunden habe, um die Sozialabgaben zu berechnen: =(SUMBN4-BN19)*65%. FÜNF-UND-SECHZIG Prozent Sozialabgaben! Das ist schlicht prohibitiv teuer für ein Business, dessen Kosten zu einem massiven Teil aus Personalkosten bestehen. Will sagen: In Frankreich dreht keiner, weil die Sozialabgaben, und damit die Personalkosten insgesamt zu hoch sind.

Deutlicher ist der umgekehrte Effekt natürlich noch im ehemaligen Ostblock: unser Business ist ein sehr personalintensives Business, während die verwendete Technik überall gleich und damit auch tendenziell gleich teuer ist. In den 90ern sind wir nach Budapest und Prag gegangen. Als deren Preise irgendwann keinen Vorteil mehr gegenüber einer Produktion zuhause geboten haben – circa 2010?? – sind wir kollektiv weitergezogen Richtung Osten nach Rumänien in die Baltics… vor der verfluchten russischen Invasion in das top notch Serviceland Ukraine haben alle angefangen, ihre Fühler nach Kasachstan und Georgien auszustrecken. Warum wohl? Weil’s da so tolle Locations gibt? Bestimmt auch. Aber vor allem wegen der günstigen Manpower natürlich.

Wenn, random example, der Oberbeleuchter in Bukarest mit 180 Euro ohne weitere Sozialabgaben nicht mal ein Drittel von dem verdient, was sein deutsches Pendant bekommt, dann kann man sich unschwer ausrechnen was das für eine Ersparnis bedeutet im Gesamtbudget: Ein Drittel Personalkosten, da kommen pro Drehtag schnell ein paar zehntausend Euro zusammen, was schlicht bedeutet: wenn es keinen Grund gibt, NICHT in Rumänien zu drehen (wie: „Wir wollen mediterrane Locations“), dann dreht man in Rumänien. Oder in Vilnius. Oder Ljubljana.

Aber.

Aber fühlt sich das nicht irgendwie Scheiße an, wenn man seinen Kunden, unter ihnen Milliardenkonzerne mit Milliarden Jahresgewinnen, regelmäßig Dienstleistungen hinterherwirft, deren Realisierbarkeit zu einem entscheidenden Teil beruht auf Billigstarbeit und auf nicht bezahlten Sozialabgaben, die die Leute aus ihren eh schon mageren Salären mal schön selbst bestreiten können?

Keine Sorge, hier kommen ein paar Ausreden:

Man muß da kein Sozialist sein und gleich „Ausbeutung“ trompeten – die gezahlten Rates sind für die Locals immer noch attraktiv im Vergleich zu den sonst erzielbaren Einnahmen im Land.

Unsere Kunden machen ja dasselbe wenn sie beispielsweise Ihre Luxuskarossen im Osten zusammenschrauben lassen anstatt im Lohnhochland Deutschland.

Unsere Konkurrenz wird es genau so anbieten, wenn wir’s nicht machen. Es kriegt schlicht derjenige den Job, der’s zu diesen Konditionen anbietet, hilft also keinem, wenn wir’s nicht machen, gemacht wird es trotzdem.

Kurz: wir können uns nicht leisten, andere Standards zu bezahlen als Kunden oder Mitbewerber.

Niemand will crazy aufgeblasene Sozialsysteme wie in Frankreich subventionieren, das finde ich komplett nachvollziehbar.

Niemand will eine überregulierte, overstaffte und als unerbetene Dreingabe eine von der eigenen Überlegenheit grundlos überzeugte Produktionslandschaft wie in den USA finanzieren müssen, deren Drehtage schnell das Doppelte kosten wie bei uns, ohne daß man das Gefühl hätte, daß man dafür irgendeine handfeste Mehrleistung bekäme („Arri Alexa? Wow! Wait, where did you get that great piece of technology from?“). Auch das komplett nachvollziehbar.

Dafür wäre ja vielleicht mal die EU ganz nützlich, die regulieren doch sonst auch jeden Furz & Feuerstein, warum eigentlich regelt die EU nicht, daß die Arbeitsnebenkosten gewissen Mindeststandards genügen müssen, damit nicht jeder rumänische Griphelfer die Rentenabgaben aus seinen 80 Euro Tagesgage bestreiten muß? Schon da werden einige schreien „THE HORROR, THE HORROR“, um mal Colonel Kurtz zu zitieren, auch der ja gewissermaßen nur ein Producer auf einem sehr schwierigen Servicejob, aber würd‘s wirklich wen umbringen? Anders als durch Regulation läßt sich da sicher nix ändern, siehe die validen Ausreden oben.

Fragte man die Kunden, dann würden die sich hinter ihren 300-seitigen Lieferverträgen verstecken (Producer-Faustregel: je größer der Konzern, desto länger & unverschämter die Lieferverträge), in denen sie sicherstellen, daß sie zu hundert Prozent sauber da raus kommen. Wir garantieren denen natürlich jedes Mal, daß wir sämtliche gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitsstandards einhalten, die lokal gültigen, wohlgemerkt, und für jeden Verstoß selbst gradestehen und haften. Und das nicht, weil sie das wirklich interessiert, sondern damit ihnen keiner an den Karren fahren kann.

Pheeew, fünf tiptop Ausreden! Aber wie ein befreundeter Producer gern zu jeder passenden Gelegenheit sagt: „Excuses are like assholes. Everybody’s got one, and they all stink“. Ja, da stehn wir jetzt mit unserem kurzen Hemd und wissen nicht weiter. Ihr etwa? Sachdienliche Hinweise bitte gern in die Kommentarspalte.

*Sozialabgaben: Vom Arbeitgeber zu zahlende Lohnnebenleistungen für Rente, Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung etc. https://www.hellogetsafe.com/de-de/posts/sozialabgaben-was-ist-das-und-wofuer-bezahle-ich-da-eigentlich

Elektroautos, Digitalkameras und der „Siehste, geht doch“ – Effekt

Systeme wie die der Werbefilmproduktion haben die Tendenz, immer komplexer zu werden, bis als einzige Option zur Vereinfachung nur noch der Totalkollaps („Collapse to Simplicity“, Clay Shirky) bleibt. Das sollten wir alle im Blick behalten, und wir müssen alle täglich dagegen anarbeiten, damit wir nicht irgendwann wie das römische Reich an unseren selbstaufgehäuften Byzantinismen ersticken.

Ich hör schon, das ist Euch zu akademisch? Dann eben Elektroautos, genauer: der Schritt vom Verbrennungs-Motoren zu Elektro-Motoren. Damit kommen wir Werbefilmer als Dienstleister ja ständig in Kontakt, ohne zu sehen, wie ähnlich da die Kundenprobleme den unseren sind. Denn obwohl sich das so nach Upgrade, nach Fortschritt anhört, ist das nämlich vor allem erstmal ein Downgrade in Sachen Komplexität. Warum? Du brauchst ein paar 1000 Teile um einen Verbrennungsmotor herzustellen, aber nur ein paar 100 Teile um einen Elektromotor herzustellen. Übersetzt in Manpower bedeutet das: der Stromer benötigt gerade einmal die Hälfte des Verbrenners.

Das ist der Grund, warum sich Volkswagen jahrelang massiv gegen die Umstellung auf Elektro gewehrt hat: weil sie zu einem erheblichen Teil Mitarbeiter-bestimmt sind, und deshalb bis in die Konzernstruktur hinein von der Komplexität des Verbrennungsmotors profitieren, weil man dafür eben viele Menschen braucht.

Am Ende kommt auch bei der weit weniger komplexen Geschichte ein sehr zeitgemäßes Ding heraus, das die Menschen von A nach B fährt, und tausende Kunden, denen man jahrzehntelang erzählt hat „Neineinnein, das geht nicht, das muß genau so wie wir das immer gemacht haben, wir sind die Experten, trust us“, die kaufen dann doch ein deutlich weniger komplexes Elektroauto, wenn’s ganz doof läuft auch noch bei Tesla, und sagen: „SIEHSTE, GEHT DOCH!“**

Und die Industrie so? Statt auf die weniger komplexe Variante „Stromer“ umzusteigen, sind sie lieber jahrelang in die entgegengesetzte Richtung galoppiert und haben stattdessen Komplexität HINZUADDIERT indem sie Hybridfahrzeuge promotet haben, also quasi die neue Lösung auf die alte aufgepfropft, statt sie zu ersetzen. „Schautmal, wir machen einfach unseren alten Stiefel weiter, und wir addieren aber den Elektromotor hinzu, weil wir nur das eine können: komplexer werden.“ Ein irrer Move eigentlich! Als wenn man am Ende des 19. Jahrhunderts Benzinmotoren in Pferdekutschen eingebaut hätte, ohne die Pferde auszuspannen.

Uff, sehr weit ausgeholt, aber jetzt krieg ich die Kurve. Stell dir vor, wir Werbefilmer hätten vor 20 Jahren angesichts der digitalen Revolution dasselbe gemacht, nämlich den Kunden jahrelang erklärt, man müsse weiterhin auf Film, aber eben parallel alles auch digital drehen. Und das koste halt leider so Einiges mehr, aber was soll man machen: Fortschritt halt, Schulterzucken… Ganz so irre waren wir dann doch nicht. Aber wir haben uns jahrelang an das wirklich hochkomplexe analoge Verfahren geklammert, und uns war keine noch so weit hergeholte kreative Begründung zu doof dafür.

Ich hab neulich mal versucht, meinen Kids zu erklären, was wir da früher veranstaltet haben, ich mußte selber lachen dabei: „Okay, da gibt es dieses beschichtete, lichtempfindliche  Material, das mithilfe eines Motors durch die Kamera durchgezogen wird; das wird belichtet, anschließend chemisch behandelt, um es zu entwickeln und DANN erst haben wir es digitalisiert, um damit weiterarbeiten zu können.“ Erwartbar große Augen und berechtigte Gegenfrage: „Warum habt ihr denn nicht gleich digitale Kameras benutzt?“

Bei dem Umstieg konnte man tatsächlich die zwei entgegengesetzten attitudes beobachten: Die einen, die sich an den gelernten aufwendigen Prozess geklammert haben „Neeeein! Das ist ein Beauty Film! Den MÜSSEN wir analog drehen!!!“ und die anderen, die sich auf die Chancen der neuen Technik geschmissen haben. Legendär immer noch Roberto Rodriguez in der Sache, FILM IS DEAD, der sich als Rebel without a Crew in die Industrie gedrängelt hat vor allem, indem er sich zu hundert Prozent auf digital geworfen hat. Ich bin gespannt, wann denn die ganzen Jungkreativen, die jetzt alle UNBEDINGT auf Film drehen müssen, die Nase voll haben von dem ganzen Gehampel und wieder zur Alexa greifen, aber hey, was weiß denn ich schon: Ich bin ja mehr so der Excel-Typ.

Und was können wir jetzt denn der Autoindustrie für heiße Tips geben?

  1. Fürchtet euch nicht.
  2. Auch wenn das Innenleben nicht mehr dasselbe ist, das Herz, der technische Kern: die Leute wollen weiterhin Autos haben, und es ist ihnen am Ende egal wie die angetrieben werden.
  3. Wenn ihr es schlau anstellt, dann werden die Komplexitätsreduktionen beim Antrieb nicht in niedrigere Preise und Umsätze übersetzt; ihr müsst halt diversen Krempel drumherum erfinden & dranflanschen. Wir haben ja auch diverse Extraleistungen entwickelt – „mehr gedrehtes Material, aus dem man Alternativen editen und 230 SoMe Edits generieren kann; Viel mehr High Speed? Kein Problem! Dailies abends schon hochladen oder gar parallel am Set schneiden, easy!“ – Das könnt ihr auch.
  4. Damit ist dann auch die Sorge dahin, dass ab jetzt Filme nur noch von einer Person auf dem iPhone gedreht werden oder daß eure Kernkompetenz von Bosch übernommen wird. Unsere Kernkompetenz war ja nie „Film belichten“, sondern Filme machen. Eure Kernkompetenz ist nicht „Benzin verbrennen“, sondern Autos bauen.

**Tesla ist besonders spannend in diesem Zusammenhang: natürlich könnte man jetzt wie ein paar chinesische Hersteller die gesunkene Komplexität in einen kleineren Preis übersetzen und Autos so billig machen wie möglich, weil sie keinen komplexen = teuren Verbrenner-Antriebsstrang mehr brauchen. Das gibt es ja auch. Tesla ist aber augenscheinlich den entgegengesetzten Weg gegangen: die haben jede Menge neuer Leistungen hinzuaddiert (Autopilot; Softwareupdates über’s Netz etc.), um den Gesamtpreis oben zu halten; damit haben sie die Preisersparnis durch die Komplexitätssenkung aufgefangen und sich selbst in die Tasche gesteckt. Und wann habt ihr den letzten TVC von TESLA gesehen? Hmmm…. Warte… Gar nicht? Das liegt daran, dass Tesla keine Bewegtbildwerbung machen. Die sagenwirmal 5% des Kaufpreises, die andere Hersteller für Werbung rausblasen, behalten sie einfach selbst. Nochmal: PANIKBUTTON DRÜCKEN JETZT! Aber das ist ein anderes Thema.

Personal Business

Für mich ist Produzieren ja immer so weit wie möglich Personal Business. Sonst hätte ich auch zur Volks- und Raiffeisenbank gehen können im C&A Anzug und Exceltabellen schubsen den lieben langen Tag. Hmmm, Moment, Excel mache ich hier auch ganz schön viel… Und nichts Grundsätzliches gegen C&A Anzüge, habe selbst mal einen getragen als ich meinen Ersten Echten Job bei einer Produktionsfirma angetreten hab: Ich hab gedacht „Alter, jetzt bist du im Management, du MUSST einen Anzug tragen.“ Nur um dann am Empfang von der Praktikantin (Iro und Dock Martens etc.)  verachtet zu werden. Looking at you, J.! Ich weiß noch 25 Jahre später daß du das warst – Personal Business halt! Ich kann zu meiner Verteidigung noch vorbringen, daß der Mann, der mich eingestellt hat, auch ständig so komische Sakkos anhatte. Ich hab dann schnell eingesehen, daß das mit den Sakkos nirgendwo hin führt, aber hier soll’s ja gar nicht um Sakkos gehen, sondern:

Ich illustriere mal, was ich mit Personal Business meine. Stellt Euch vor, ihr habt eine tolle Erfahrung mit einer Post Production gemacht. Und auf dem nächsten Job brennt es mal wieder, seeehr post lastig, seeehr schwer jemanden zu finden, dem man das überhaupt anvertrauen kann. Ganz klar was ich dann mache: Ich rufe schnell bei (nennen wir sie) der Post Producerin Caren an, weil das beim letzten Mal so gut geklappt hat. Allein, daß ich nicht denke: Lass mal schnell „Posthaus XYZ“ anfragen, sondern „Lass mal schnell Caren anfragen“ sagt uns: It’s Personal. Caren sagt auch gleich: „Na klar, lass uns das folgendermaßen angehen, a,b,c, ich kalkulier dir schnell was.“ Und dann wird Caren krank und übergibt das einer Kollegin. And then it all goes downhill.

Erste email von der Vertretung: „Haben wir uns angeschaut. Kannst du uns noch mehr Info geben dazu, was ihr in camera löst und was nicht pro Szene?“

Okay, fair enough, denke ich. Meine Antwort: „Wie mit Caren besprochen ist das alles noch nicht definiert; wir müssen uns gemeinsam trauen das einzuschätzen und dann versuchen in diesem gemeinsam gesetzten Rahmen zu bleiben. Geht das?“ Will sagen: Ich erwarte von DIR, dass DU dir da eine Einschätzung zutraust, und nicht daß ich alle deine Fragen beantworte und am Ende von ganz allein eine Zahl herauskommt. Daß du persönlich einschätzt, was wir brauchen und ob & wie ihr das delivern könnt. Das ist der personal touch, den ich brauche, um weiterzukommen. Sonst kann ich den Job ja gleich selber mitmachen.

Zweite email: „Kein Problem, wir inkludieren unsere Grundannahmen in das Budget als Ausgangspunkt für eine Diskussion“

Okay, geht doch. So weit war ich mit Caren schon vor meinem ersten Anruf, aber gut. Jeder muß sich ja erstmal eingrooven.

Dritte email von einer weiteren Kollegin, die aus den CC-Tiefen des email-Verkehrs auftaucht: „Gibt es noch eine jüngere Version der DI? Wir brauchen  auch noch clarification in Sachen was wird vom Art Department gebaut und passiert in camera, und was ist CGI?“

Das ist der Moment, an dem ich aussteige. Natürlich weiß ich, das auch Caren nur das Frontend einer insgesamt tatsächlich gigantischen Maschinerie ist in mehreren Städten, das bin ich ja auch oft. Keine One Woman Show, die das alles persönlich delivert, was wir besprechen. Das ist mir aber egal. Sobald ich nämlich wittere, dass sich eine Post Producerin nur hinter ihren general procedures verbarrikadiert, damit auch ja keiner einen Fehler macht, habe ich schon keine Lust mehr. Das wird dann so weiter gehen, das ganze Projekt über. Und meist wird dann auch noch so viel Safety Buffer einkalkuliert, daß es sowieso unbezahlbar wird.

Daß man jemand wie Caren findet, auf Post Production Seite, aber auch auf Produktionsseite, ist ja selten. Aber warum? Weil Personal Business für alle Producer immer ein Drahtseilakt ist, den sie nie selbst zu 100% kontrollieren können. Schaun wir uns mal die schlechteste aller outcomes dieses Drahtseilaktes an. Ich habe schon Producer brutal scheitern sehen, weil in ihrer Person und ihrer Performance zu oft Coporate Culture / Corporate Vorgaben kollidiert sind mit ihrem Anspruch, daraus etwas Persönliches zu machen, etwas, worauf alle Bock haben, wo etwas Tolles herauskommt, wo keiner verarscht oder verfeuert wird. Wer kennt nicht jemanden aus der Produktion, der immer gut gelaunte Performance hingelegt hat bis man auf einmal hört „Ja, hmm, ist jetzt leider erstmal raus, burnout und so“.

Mein Verdacht: die konnten in ihrem täglichen Handeln nicht zur Deckung bringen was sie gern delivert hätten und was die Company, für die sie gearbeitet haben, delivert hat oder ihr/ihm erlaubt hat zu delivern – oder sie gezwungen hat einzufordern. Ich glaube auch, in dieser Branche werden zu viele Leute einfach laufen gelassen, die nicht gut genug auf sich selbst aufpassen (können); man nimmt die Vorteile von deren persönlicher Performance gern in Kauf und setzt ihnen zugleich oft Business Realitäten hin, die sie auf Dauer nicht bedienen können. Wenn dir das als Producer ständig passiert bist du einfach irgendwann durch. Das kann daran liegen, daß du es selbst zu schlecht einschätzen & managen kannst; aber auch daran, daß es in bestimmten Arbeitsumgebungen einfach grundsätzlich zu schlecht einschätzbar ist. Und ich rede nicht von den täglichen Fallstricken des Projektgeschäfts.

Will sagen, du mußt dir wirklich genau die Corporate Culture angucken in die du dich da reinwirfst schon auf Seiten der Company, für die du antrittst: stehen die für das ein, was du tust und versprichst und moderierst, oder machen sie ganz schnell einen Schritt zurück und verstecken sich hinter irgendwelchen corporate Vorgaben wenn’s mal ernst wird? Kommunizieren sie klar und deutlich, was sie erwarten, was du versprechen darfst und kannst, und wie verläßlich sie selbst delivern, was sie dich versprechen lassen?

Und du mußt ein wenig haushalten mit deinem Anspruch, Personal Business zu machen, weil es eben nie nur personal sein kann, sonst trägt es dich als Person irgendwann aus der Kurve.

Natürlich ist es auch immer eine Frage der Perspektive: wenn ich selbst von jemandem Leistung abfrage – einer Post Production, einer Servcie Production Company – hab ich’s gern so personal wie möglich, dann will ich Verbindlichkeit herstellen nicht nur durch irgendwelche Verträge, Unterschriften etc., sondern dadurch, daß mir jemand verbindlich das Gefühl vermittelt, daß ich von ihm das bekomme, was ich erwarte.

Wenn ich dagegen selbst Leistung erbringen soll – gegenüber einer Agentur, einem Kunden – dann kenne ich auch die Tendenz, sich hinter der Company und hinter „business as usual“ Procedures zu verstecken, weil das ja auch viel Druck wegnehmen kann von dir selbst: „Ich würd’s dir ja gern genau so anbieten, aber WE DON’T DO THAT HERE“. Aber das fühlt sich meistens falsch an.

Man könnte vielleicht sagen, die große Kunst der Producer ist es, daß sich das Business „personal“ anfühlt und dabei trotzdem soliden Business Standards genügt. Und das eben nicht nur bei der Vakoofe – da kann jede/r geschmeidig und heiter sein, sondern das muß belastbar sein & bleiben das ganze Projekt über bis zum fertigen Master.

Commercial Culture Clash, pt. 2

Schaun wir nochmal auf diesen tollen Clay-Shirky-Post, den melke ich jetzt noch für 5 weitere Beiträge, macht Euch drauf gefaßt:

„Mitte der 90er Jahre baten mich Freunde bei AT&T, ihnen zu helfen, das aufkommende Webhosting-Geschäft zu verstehen. Sie dachten, dass die berühmte „fünf 9er“-Zuverlässigkeit von AT&T („Dienste, die 99,999 % der Zeit funktionieren“) dabei hilfreich wäre, aber sie konnten einfach nicht verstehen, wie 20 Dollar pro Monat, der damals übliche Preis, die Kosten für gutes Webhosting decken könnten, geschweige denn einen Gewinn abwerfen.

Ich beschrieb ihnen das Webhosting, das ich benutzte, und die Praxis, Websites lokal zu entwickeln, sie hochzuladen und dann zu überprüfen, ob etwas nicht funktionierte. „Aber dann änderst du ja Dinge auf der Live-Site!“ Das erklärten sie mir in einem Ton, in dem man kleinen Kindern erklärt, warum man kein Bleichmittel trinken sollte. „Oh ja, es ist mies“, sagte ich. „Manchmal stürzen die Server ab, und wir müssen von vorne anfangen.“ Am anderen Ende der Leitung herrschte eine lange Stille, wie sie für Telefonkonferenzen typisch ist, wenn eine ganze Gruppe innehält, um nachzudenken.

Die AT&T-Leute hatten richtig verstanden, dass die Einnahmen von 20 Dollar pro Kunden nicht für ein gutes Webhosting reichen würden. Was sie nicht verstanden hatten, ja, was sie aus professioneller Perspektive nicht in der Lage waren zu verstehen, war, daß die erfolgreiche Branchenlösung schlicht darin bestand, eine Leistung anzubieten, DIE NICHT BESONDERS GUT WAR.

Für die AT&T-Leute war das nicht so sehr deprimierend als vielmehr verwirrend, das war kein Markt, in den sie einsteigen würden: nicht weil sie nicht WOLLTEN, sondern weil sie es nicht KONNTEN.

Es wäre leicht, das kurzsichtig zu nennen, aber das würde die Bedeutung ihrer professionellen Kultur ignorieren. Ein ganzes Jahrhundert lang hat AT&T auf Qualität gesetzt – die betreiben ihr eigenes Stromnetz, um auch bei öffentlichen Stromausfällen einen Wählton zu haben! Wie die meisten Unternehmen konnte AT&T nicht gleichzeitig gut in einer Sache sein, in der sie gut waren, und gut in der entgegengesetzten Sache. Das Webhosting-Geschäft, das dem Modell „Einfachheit zuerst, Qualität später“ folgte, stellte nicht nur einen neuen Markt dar, sondern erforderte auch neue kulturelle Imperative.“

So. Und jetzt ersetzen wir in dieser Geschichte AT&T durch „Werbefilmproduktionsfirma“ und Webhosting durch „Insta-Filme.“

Derselbe Clash von professioneller Kultur ist nämlich im Gange bei uns Werbefilmherstellern, die immer stärker in der Pflicht sind, sich mit den neuen Formaten auseinanderzusetzen nach dem „Tentpole“-Ansatz: unser Kerngeschäft, der klassische TVC, ist immer noch der Tentpole, das tragende Zentrum einer Produktion, aber darum herum werden zunehmend mehr und mehr kleine Zelte, ganze Zeltstädte errichtet: Making Ofs, Fotoshoots, Social Media Content Units etc., die wir sämtlich mit bedienen dürfen/sollen/müssen. Und zeitgleich ist ein massiver Shift im Gange von Marketing Budgets hin zu den neuen Formaten – angeblich ist 2021 zum ersten Mal in der Geschichte unserer Branche das Volumen an TV Werbespendings ZURÜCKGEGANGEN. Panikknopf drücken bitte JETZT!

Wo genau ist denn jetzt bei uns der Culture Clash? Wir erinnern uns an die Prämisse von Shirky’s Artikel – die Tendenz von komplexen Systemen wie der Werbefilmproduktion, immer komplexer zu werden, und die darin eingebaute Drohung, nicht mehr zurück zu können mit der Gefahr, dass Shocktests nur noch zum Kollaps führen können, weil das Runterfahren von Komplexität unmöglich ist oder erscheint.

Das wird uns in aller Deutlichkeit vor Augen geführt wenn wir die neuen Formate mit covern: das geht natürlich nur bei im Vergleich zur TVC-Herstellung massiv reduzierter Komplexität – sonst hätten wir noch 3 PPM mehr und bräuchten das x-fache an Budget. Wir müssen also in unseren TVC-Producer-Köpfen dafür ein paar Gänge zurückschalten um das möglich zu machen. Das ist gar nicht so einfach, hält aber frisch und strahlt ja auch auf das sonstige Produzieren ab, indem man mal wieder öfter sagt (zu sich selbst, zu allen anderen): „Come On. MUSS das wirklich so sein, oder geht das nicht auch ’ne Nummer kleiner?“ Aber das ist nicht der Punkt.

Diverse Werbefilmcompanies haben daraus schon eigene Abteilungen gemacht. Und da wird’s dann spannend: Stell dir vor, in Shirkys Beispiel hätte ein allmächtiger Brötchengeber AT&T dazu verdonnert, zusätzlich zu ihrem Kerngeschäft „Telecom“ noch Webhosting mit anzubieten, auch wenn sie es weder konnten noch wollten, weil es eigentlich ihrer über Jahrzehnte gewachsenen professionellen Kultur massiv zuwider läuft. Stellt Euch dazu noch vor, dieser allmächtige Brötchengeber würde dazusagen: „So, und das ist die Zukunft, die Euer Kerngeschäft auf absehbare Zeit ersetzen wird – Telefonieren ist ja soooo 90er – und deshalb werden wir einen immer größeren Teil unserer Brötchen dahin geben. Und jetzt macht mal!“

Denn genau das ist es, was bei uns passiert. Und es fühlt sich an, als hätten wir gar keine Wahl: entweder wir machen das, oder jemand anderes macht es (und macht perspektivisch immer mehr, und wir immer weniger). Da machen wir es doch lieber zähneknirschend selbst, auch wenn es für uns oft so aussehen mag wie mieses Webhosting aus der Sicht von AT&T.

Ich beobachte dabei zweierlei mit großer Aufmerksamkeit: erstens die Tendenz, die Ansprüche aus der Werbefilmwelt auf die neuen Formate zu übertragen, was ja nur zu verständlich ist: Warum sollte ein High End Autohersteller sein Produkt schlechter aussehen lassen wollen, nur weil es nicht in einem klassischen TVC abgefeiert wird, sondern in einem speziell für Insta hergestellten Format?

Haarig wird das immer dann, wenn versucht wird, sich um die daraus resultierenden Budgetimplikationen zu drücken. Stellt Euch vor, ihr habt im Agentur-Briefing neben dem klassischen TVC eine Passage zu Neuen Formaten, Seite 117. Ihr bietet das an als etwas, das die Social Media Unit parallel zum TVC Shoot schnell, unkompliziert und günstig covert. Warum auch nicht? Steht doch groß „SoMe Content in 9:16 & 1:1“ drüber! Aber plötzlich wird von euch verlangt, dass die Neuen Formate auf Seite 117 von der Main Unit gecovert werden, mit Technocrane, Regie, DP und allem. Dieser Clash von alter und neuer Welt manifestiert sich dann auf einmal sehr konkret in Kosten-Unterschieden von einem hohen fünfstelligen Betrag, und das hoffentlich noch VOR Auftragserteilung, dann kann man nämlich sich noch einigen und die Erwartungshaltungen abgleichen, sprich: Ansprüche runterschrauben, oder Budget raufschrauben.

Und das zweite ist das, was ich gern die „Siehste, geht doch“ Perspektive nennen möchte. Das ist es ja, was die neuen Webhosting Kunden im Shirky-Beispiel garantiert zu ATT gesagt haben: „Siehste, geht doch!“, die Kurzversion von: „Webhosting geht auch für die Hälfte, ich pfeife auf Euren professionellen Ansatz“. Die kenne ich schon aus Musikvideozeiten, wo man jeden Anspruch auf Komplexität, Professionalität, und damit, Oh Gott!, KOSTEN rechtfertigen musste gegenüber einer Kundschaft, die einem tendenziell immer Betrug, Scharlatanerie und Kostentreiberei unterstellt hat (nicht immer zu Unrecht…). Und immer, wenn wieder ein billigst hergestelltes und aussehendes SCOOTER Musikvideo auf Rotation ging, wurde diese Sorte Kundschaft wieder mit diesem triumphalen Satz bei mir vorstellig: „Siehste, geht doch“.

Auch wenn es in der Werbefilmwelt eine größere Professionalität und Wertschätzung von Qualität geben mag, so findet sich doch auf Kundenseite eine vergleichbare Perspektive: „Ja, muß das denn wirklich immer sein?“ Da kannst du noch 100x antworten „Wenn’s gut werden soll, dann ja“. Wenn du aber gleichzeitig für sagenwirmal 10.000 Euro Mehrkosten zum TVC noch zusätzlich diverse Neue Kanäle mit qualitativ hochwertigen Inhalten füttern kannst (weil du musst…), dann sagen sich die Kunden doch auch irgendwann: „Siehste geht doch“ und versuchen, a) immer mehr Zeugs zu den günstigen Bedingungen dazu zu bekommen und b) im schlimmsten Fall fordern sie, dass die Produktionsbedingungen für unser Kerngeschäft sich immer mehr nach den Bedingungen der Beiprodukte gestalten: TVCs zu Insta Content Bedingungen. Und natürlich ist diese Perspektive auch nicht IMMER unberechtigt, weshalb wir natürlich immer uns fragen sollten, ob die über Jahre akkumulierte Komplexität unserer Prozesse wirklich notwendig ist für ein gutes Ergebnis, anders gesagt: wann stimmt es auch tatsächlich, wenn wieder mal einer sagt „Siehste, geht doch!“. Aber als beherrschende Perspektive auf unser Business ist das nicht hilfreich.

Was tun? Was geht denn bei dem Aufeinandertreffen dieser beiden Welten, und was geht nicht? Ich versuch’s mal ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit mit meinen Top 4 Erklärbärsätzen (ein Wort mit 3 „Ä“!) zum Culture Clash zwischen Werbefilme produzieren und InstaContent produzieren:

  1. Wir können Pakete mit günstig zusätzlichem Content nur dann anbieten, wenn nicht gleichzeitig die Produktions-Bedingungen unserer Kernprodukte in Frage gestellt werden. Dann gibt es nämlich irgendwann keine Spill Over Effekte mehr: Wenn ich mir für den TVC keine tolle Location mehr leisten kann, dann wird auch der Insta Content nicht gut aussehen. Also bitte etwas mehr Zurückhaltung an der „Siehste, geht doch“ – Front.
  2. Wir können zusätzlichen Content nur günstiger anbieten wenn wir auch in der Umsetzung mehr Freiheiten haben und sie nicht mit dem selben Kontrollwahn, demselben Micromanagement, Framefucking & Pixelgeschubse herstellen müssen wie einen TVC. Sonst müssen sie halt ganz schnell auch genau so viel kosten wie ein TVC.
  3. Wir können nur ein gewisses Maß an zusätzlichen Formaten zusätzlich covern, ohne daß das Hauptprodukt und die Produktionssicherheit insgesamt leiden.
  4. Das Zusammenrühren schafft nicht nur Synergien, sondern auch zusätzlichen Aufwand für alle Departments, und den muß jemand bezahlen. Da ergibt sich nicht alles einfach von alleine weil wir eh schon alle so lustig beisammen sind und einen TVC drehen: „Ein Making Of…? Kein Problem. Ein paralleles Fotoshoot? Ja, na gut. Noch ein Social Media Team am Set? Knirsch, na gut. 250 Abformate in der Post, die aus all diesen Quellen zusammengepuzzelt werden? Jup, machen wir auch noch.“ Wer kümmert sich denn dadrum eigentlich? Wahrscheinlich ein Producer. Oder zwei. Oder drei. Insgesamt rund 3 Monate lang. Dann kann man aber nicht zugleich immer noch nur 15 Producertage bezahlen wollen wie im Jahr 2001, als wir ein Master eines 20-Sekünders gefinisht haben und damit war Schluß.

To be continued!

Komplexität & Kollaps

Hier ist ein interessanter Beitrag von Clay Shirky über den Clash von neuen und alten Business Modellen im Medienbereich. Eine echte Steilvorlage um sich zu fragen: Was haben wir Werbefilmer mit AOL und ATT gemeinsam, und was können wir tun, um nicht von deren Dinosaurier-Schicksal ereilt zu werden?

Du hast grundsätzlich zwei Möglichkeiten einen Profit zu erzielen, erinnert uns Shirky: Du hebst deinen Profit über deine Kosten, oder du senkst deine Kosten innerhalb eines verfügbaren Budgets so weit, daß was übrig bleibt.

Wie machen wir das? Wir Werbefilmhersteller sind ja grundsätzlich so aufgestellt, daß wir Drittkosten zusammentragen und ein Markup oben draufrechnen, das wir in einer idealen Welt tatsächlich dann auch als Profit übrig behalten (Alle, denen das bei den letzten 3 Projekten in Folge gelungen ist, bitte in die Kommentarspalte eintragen…), also eher Möglichkeit Eins.

Wir neigen dabei dazu, die Tendenz von Kunden und Werbeagenturen zu umarmen zu immer komplexeren, ja byzantinischen Strukturen und Procedures, weil das grundsätzlich in unsere Karten spielt: mehr Arbeit, mehr Drittkosten, mehr Markup, mehr Profit. Wer da mitspielt und immer schön „Ja, gerne!“ sagt, ist kurzfristig im Vorteil, und das nicht nur weil das Serviceorientierung vorspiegelt: „Ja, kein Problem, kalkulieren wir so.“ „Regie aus UK einfliegen? Dreh in LA, weil’s da so super ausschaut? Darsteller-Nutzungsrechte für fünf Jahre weltweit gleich mal vorab einkaufen?  Social Media Team andocken? Ja, Ja, und nochmal Ja!“ Kurzfristig hilft das zwar dem einzelnen Player, weil er, wenn’s die Budgets denn hergeben, mehr Umsatz macht. Langfristig ist das aber für das gesamte Ökosystem brandgefährlich. Warum?

Shirky zitiert Tainters „The collapse of complex societies“*: Was komplexe Gesellschaften wie das römische Reich, die Maya, die USA erschaffen, sind immer komplexer werdende Systeme. Der Catch: wenn es externe Anforderungen an diese Systeme gibt, sich anzupassen, downzusizen, etwa weil natürliche Ressourcen – Holz zum Schiffbau, Korn aus Ägypten, Produktionsbudgets – knapp werden, dann können die nicht einfach wieder einen Gang runterschalten, weil sie das nicht gelernt haben. Gelernt haben sie nur, immer sophisticatedtere Lösungen sich auszudenken. Die legen einfach immer noch eins drauf, verlagern ihre Hauptstadt nach Byzanz, erfinden dort jedes Jahr 300 weitere Beamtenposten mit Aufgaben wie „Kaiserliche Kopfkissenaufschüttler“ – bis ihnen der Sprit ausgeht. Sie kollabieren nicht deshalb, weil sie ZU WENIG sophisticated sind, sie kollabieren weil sie ZU SEHR sophisticated, zu komplex geworden sind.

Anders gesagt, was man eben eher selten hört & liest:

(Cäsar): „Oh, Ägypten hat Lieferprobleme? Kein Problem, dann schaffen wir die Prätorianergarde, die Triumphzüge und die Zirkusspiele halt wieder ab“.

(Werbefilmer): „Ooops, Marketingbudgets zusammengestrichen? Na gut, dann fliegen wir halt niemanden mehr für ein Meeting aus Los Angeles per business class ein. Und für die Fahrszene muss es ja kein Russian Arm sein, die covern wir halt wie früher aus dem VW Bus bei offener Seitentür.“

Stattdessen geht’s doch wohl eher so:

(Cäsar): „Beim Jupiter, kein Korn aus Ägypten?  Da hilft nur ein besonders fetter Triumphzug, auf daß der Pöbel bei Laune bleibt!“

(Werbefilmer): „Zusammengestrichen? Ja, wie soll ich denn mit dem Budget das Auto gut aussehen lassen? Sorry, da sind wir leider raus.“

Vereinfachung wird für uns tendenziell undenkbar & unmöglich, weil alles, was wir täglich praktizieren, tendenziell zumindest das Addieren von zusätzlicher Komplexität bedeutet: Unvorstellbar, daß man noch vor 10 Jahren ein PPM machen konnte, ohne vorher ein PRE-PPM zu machen (Neulich habe ich mit der Agenturproducerin das PPM-Booklet vor dem Pre-PPM durchgesprochen: Mein erstes Pre-Pre-Pre-Production Meeting). Noch unvorstellbarer, daß man Musikvideos drehen konnte ohne vorher ÜBERHAUPT ein PPM zu machen – KREISCH!

Downsizen erzeugt ein massives Unbehagen, ja, Leistungsverweigerung bei denen, die es gewohnt sind, immer mehr Layer an Komplexität zu addieren, schreibt Shirky. Und das stimmt: Ich kann von dem Schock berichten, den ich jedes Mal bekomme, wenn ich mir 10 Jahre alte Budgets anschaue, die ich selbst gemacht habe: „Was? Mit so einem kleinen Team? Mit so wenig Servicebudget haben wir diesen Film gemacht? UN-Friggin‘-FASSBAR!“ Wenn das über Jahre aber immer extremer wird, und dann, um nochmal die Dinosaurieranalogie zu bemühen, ein Meteorit einschlägt, wenn also eine externe Krise (Corona, anyone?) von allen verlangt, runterzuschalten, kleiner zu denken, Abstriche zu machen, dann müssen wir aufpassen, daß uns nicht der Totalausfall als letzte verbleibende Möglichkeit bleibt – Kollaps als die letzte verbleibende Option zur Vereinfachung: „Sorry, dann dreht den Film halt ein Influenzer mit dem Iphone. Bzw mit so einer billigen Android Gurke. Mir doch egal, ich weiß jedenfalls nicht wie wir das stemmen sollen.“

Will nur sagen: Man muß sich einen klaren Blick dafür bewahren was wirklich wichtig ist und was nur aus Betriebsnudeligkeit dazugekommen ist und ständig neu hinzukommen möchte. Was man nur macht, weil die Konkurrenz das auch macht, die gute alte Rüstungsspirale. Oder weil der Agenturproducer sagt daß der Kunde das geil fände. Oder weil mehr Leistung gleich mehr MarkUp. Oder oder oder – Gründe gibt es immer: Natürlich sind das auch die Kunden schuld, die immer mehr Leistung in immer kleinere Budgets quetschen wollen, aber es muß ihnen auch jemand sagen. Das sind wir.

Noch einfacher gesagt: Wer, wenn nicht wir Producer hat, finde ich, die kollektive Aufgabe, mit darauf zu achten, daß eben nicht alles immer komplexer und aufwendiger und teurer wird, und das auch gern regelmäßig anzumerken, und zwar sowohl bei denen, bei denen wir Leistungen einkaufen (eh klar!), aber eben auch bei denen, die Leistungen von uns einkaufen wollen. Reality Check, hallo!

Das ist kein vorauseilender Gehorsam gegenüber Cost Controllern oder jammernden Marketingabteilungen; das verhindert, daß wir ständig Level um Level die Komplexität anheben, bis keiner mehr zurück kann und wir alle kollektiv kollabieren. Das ist sowas wie Branchenhygiene – Selbstschutz für uns als Producer und für die Werbefilmwelt als Ganze.

*Joseph A. Tainter: „The collapse of complex societies“ 1990

Hope for the best, prepare for the worst

Wird schon schiefgehen. Paßt schon. Et hätt noch immer jot jejange, wie der Karnevalist sagt. Oder?

Nee, da machst du nicht mit. Das ist eine Frage der Statistik, irgendwann geht’s mal schief, und rate mal, wer dafür verantwortlich ist, daß es einen Fallback-Plan gibt, wenn das passiert. Kleiner Tip, du mußt dir so eine Stan & Ollie Komödie vorstellen: Am Set angelt sich der Elefant grade das Handy des Regisseurs, kaut drauf herum und schluckt es runter, und wird als nächstes voraussichtlich explodieren, kollabieren, sich erbrechen, was handyfressende Elefanten halt so tun, und daneben stehen alle in einer langen Schlange hintereinander, ganz vorn der Kunde, der dreht sich entsetzt zu seinem Marketing Manager um, der guckt den Agenturberater an, der dreht sich ratlos zum Agenturproducer um, und weißt du wen der fragend anguckt? Wer steht als allerletztes in der Schlange, und hinter ihm steht keiner mehr, den er fragen könnte? Yep, ge-nau. Das bist du.*

Der Hauptdarsteller bricht sich ein Bein, wo kommt ganz ganz schnell ein Ersatz her? Die Location wird von einem Unwetter den Berg herabgespült, wo dreht ihr stattdessen? Fragen, die du easy beantworten kannst inklusive Kostenimplikationen und wer die covert. Du schließt die Negativversicherung ab, und die Personenausfallschutzversicherung. Und die Sachschadenausfallschutzversicherung auch. Und die Schlechtwetterversicherung wenn sie denn der Kunde bezahlen möchte auch noch.

Du bist „Safety first, fun later“. Achtung Fangfrage: Wenn dein Regisseur einen 911er mieten möchte, um von Berlin nach Hamburg zum Schnitt zu fahren, vermutlich sehr schnell, sagst du dann: „Yes! I’ll get one too, let’s see who’s in Hamburg first!“: Oder bist du diejenige, die sagt „Maybe not this time, ich spendiere Deutsche Bahn Erste Klasse.“ Über Option eins weiß ich nichts, aber ich kann dir sagen wie Option zwei ausgeht: Das findet der dann doof, er rollt mit den Augen, er hält dich für spießig, aber dann ist er auf dem Bahnsteig immerhin massiv beeindruckt von der in seiner Heimat offenbar nicht bekannten Einrichtung der Wagenstandsanzeiger – irre, man sieht schon auf dem Bahnsteig, wo der Waggon hält, in den man einsteigen will. „Youuuu Gerrrrmans!“, der Mann ist wieder versöhnt. Schwacher Trost, aber wie gesagt: Fun later.

Fangfrage Zwo: Wenn der Rapper, mit dem du ein Musikvideo in der Schweiz drehen willst, kurz vor der Grenze sagt, er habe leider grade seinen Paß nicht dabei weil er auf Bewährung sei, den hätten die, Zitat, „Scheiß-Bullen behalten“, Zitatende, ob er nicht einfach im Kofferraum über die Grenze fahren könne – auch dies ein rein hypothetisches Szenario – sagst du dann: „Easy, Mann!“? Nein, das sagst du nicht. Jedenfalls nicht nochmal. Ich rate dringend ab.

Du bist übrigens auch derjenige, der weiß, welche Risiken dein Problem sind und welche nicht. Force Majeure? Kundenproblem. Wetter? Kundenproblem. Kundenpromi sagt ab? Kundenproblem. Neues Briefing, neue Kosten? Du ahnst es vielleicht schon: Kundenproblem. Aber die meisten anderen Sachen: Dein Problem.

Oder, warte mal: am Ende das Problem der Produktion, für die du arbeitest. Du bist nämlich auch dafür zuständig, zwischen Persönlichem und Business trennen zu können, und allen anderen dabei zu helfen, das auch zu schaffen. Wenn’s regnet und der Kunde deshalb einen soliden 5stelligen Betrag mehr zahlen muß, dann haben natürlich alle hektische Flecken im Gesicht, besonders die Agenturberater und die Marketingmenschen, weil keiner gern 50.000 Euro mehr ausgibt, aber, wie mal eine altgediente Londoner Produktionsfachkraft zu mir sagte, als zu Drehbeginn das Poolwasser auf einmal flaschengrün war statt azurblau wie im Agenturscript, und ich im Gesicht denselben Farbton bekam, weil Agentur und Kunde in 10 Minuten am Set aufschlagen würden: „Relax, honey. This is nothing personal. It’s business“.

Das vergessen wir ja alle gern mal bei dem ganzen ständig auf-dufte-machen und Du zueinander sagen: It IS business, zumindest auch (Ein Grund dafür, übrigens, warum ich Agenturmenschen duze, Kunden aber sieze…). Du kannst Agenturproducer und Kundenberaterin freundlich erklären was du anbieten würdest, damit so wenig Mehrkosten entstehen wie möglich. Die Kundenberaterin kann dem Marketingmensch und der wiederum seiner Cheffin erklären, daß man Pech mit dem Wetter hat, daß das ein Risiko war, von dem alle wussten, und dass jetzt Mehraufwand und damit Mehrkosten anstehen. Das ist anstrengend, aber für dich Superproducer weder überraschend noch eine persönliche Krise – niemand ist daran schuld, wenn du deinen Job gescheit gemacht hast, und das kannst du allen auch so verklickern, auch wenn alle noch so überrascht tun, will sagen: „Zahlen, und fröhlich sein.“ (Theo gegen den Rest der Welt, 1979)

*Ich habe das zugegebenermaßen ein wenig überspitzt dargestellt – als mir das das letzte Mal passiert ist, hat mir die Versicherung zumindest das Handy ersetzt. Man könnte also mit Fug & Recht sagen: hinter dem Producer steht seine Versicherung, wenn er denn, siehe Überschrift, seinen Job gescheit gemacht hat. Den Elefanten hätten sie auch bezahlt, aber dem ist nix passiert, der hat einfach nach kurzer Zeit das kochende und schäumende Handy wieder ausgespuckt und tapfer weitergemacht. Profi halt.